Wehen messen

Wie lange dauern Wehen? Einzelne Wehen und die ganze Geburt

Kurz gesagt

Eine einzelne Geburtswehe dauert laut familienplanung.de etwa eine Minute, gegen Ende der Geburt oft 60 bis 90 Sekunden (HealthLinkBC). Frühe Wehen sind kürzer und kommen unregelmäßig. Die Latenzphase ist sehr unterschiedlich lang und kann von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. Ab einer Muttermundöffnung von mindestens 4 Zentimetern nennt die AWMF-Leitlinie bei Erstgebärenden meist 8 bis 18 Stunden. Bei Mehrgebärenden sind es meist 5 bis 12 Stunden.

Inhalt
  1. Wie lange dauert eine Wehe?
  2. Latenzphase: Wie lange dauert sie?
  3. Aktive Eröffnungsphase: Dauer bei Erstgebärenden und Mehrgebärenden
  4. Austrittsphase und Nachgeburt: wie lange dauern sie?
  5. Wie lange dauert eine Geburt insgesamt?

Eine einzelne Geburtswehe dauert etwa eine Minute, die ganze Geburt beim ersten Kind meist 8 bis 18 Stunden. Bei weiteren Kindern sind es 5 bis 12 Stunden, so familienplanung.de. Jede Geburt verläuft anders, die Zahlen sind Richtwerte aus Leitlinien und Gesundheitsportalen.

Wie lange dauert eine Wehe?

Vorwehen kommen unregelmäßig, sind eher kurz und meist gut auszuhalten. Geburtswehen halten etwa eine Minute an und sind so stark, dass du dich ganz auf deine Atmung konzentrierst (familienplanung.de). Gegen Ende der Eröffnungsphase und beim Pressen dauern die Wehen oft 60 bis 90 Sekunden (HealthLinkBC).

PhaseDauer einer WeheAbstand zwischen den WehenQuelle
Frühe Latenzphaseanfangs 15 bis 30 Sekunden, später bis etwa 45 Sekundenunregelmäßig, anfangs alle 10 bis 20 Minuten, später alle 5 bis 7 MinutenHealthLinkBC
Eröffnungswehenetwa 1 Minuteanfangs alle 5 bis 15 Minuten, später alle 3 bis 5 Minuten oder öfterfamilienplanung.de, gesund.bund.de
Übergangsphase60 bis 90 Sekundenalle 2 bis 3 MinutenHealthLinkBC
Austritts- und Presswehen60 bis 90 Sekundenalle 2 bis 5 MinutenHealthLinkBC, gesund.bund.de

HealthLinkBC ist ein Gesundheitsportal der kanadischen Provinz British Columbia. familienplanung.de nennt 5 bis 15 Minuten für Geburtswehen allgemein und etwa 5 bis 20 Minuten für den Beginn der Eröffnungsphase. Es sind Richtwerte, bei dir kann es anders aussehen. Als Grafik und mit Wehenprotokoll zum Ausdrucken findest du sie in der Wehentabelle. Mehr als eine einzelne Wehe sagt der Verlauf: Bei Geburtswehen werden die Abstände allmählich immer kürzer. Wie sich die Wehen in den einzelnen Phasen anfühlen, beschreibt der Artikel Wie fühlen sich Wehen an.

Wie du Dauer und Abstand richtig misst, erklärt der Artikel Wehen messen. Unsere App und der Online-Wehen-Timer nehmen dir das Rechnen ab. Du tippst zu Beginn und am Ende einer Wehe und siehst Dauer und Abstand, in der App auch den Durchschnitt der letzten Stunde.

Infografik

Wie lange eine Wehe dauert

  1. Frühe Latenzphase anfangs 15 bis 30, später bis etwa 45 Sekunden

  2. Eröffnungswehen etwa 1 Minute

  3. Übergangsphase 60 bis 90 Sekunden

  4. Austritts- und Presswehen 60 bis 90 Sekunden

Richtwerte aus der Tabelle oben (familienplanung.de, gesund.bund.de, HealthLinkBC). Bei dir kann es anders aussehen.

Latenzphase: Wie lange dauert sie?

Die Latenzphase ist der erste Teil der Eröffnungsphase. Die deutsche S3-Leitlinie der AWMF versteht darunter die Zeit vom Geburtsbeginn bis zu einer Muttermundöffnung von 4 bis 6 Zentimetern. Sie beschreibt diese Phase als schwer messbare Zeitspanne, die nicht durchgehend verlaufen muss. Die Wehen können also zwischendurch nachlassen und später wiederkommen.

Eine feste Dauer gibt es nicht. Laut Hebammenverband Niedersachsen ist die Latenzphase der Geburt sehr variabel und dauert von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen. Die Wehen können dabei schon regelmäßig und schmerzhaft sein. Meist ist es die längste Phase der Geburt (NHS).

Was dir in dieser Zeit hilft:

  • Bleib zu Hause oder an deinem gewählten Geburtsort, wo du dich wohlfühlst, und hol dir eine vertraute Person dazu.
  • Schenk den Wehen so lange wie möglich wenig Beachtung. Wenn du müde bist, leg dich schlafen, kräftige Wehen wecken dich ohnehin.
  • Iss und trink etwas, denn für die aktive Phase brauchst du Energie (NHS).
  • Beginnt es nachts, mach es dir bequem und schlaf, wenn du kannst. Tagsüber rät der NHS, aufrecht und sanft in Bewegung zu bleiben. Das hilft deinem Baby, tiefer ins Becken zu rutschen, und unterstützt den Muttermund beim Öffnen.
  • Atemübungen, ein Bad, eine Dusche, Massage oder ein Spaziergang können die Schmerzen lindern.

Hast du eine Risikoschwangerschaft oder eine Vorerkrankung, kläre schon vorher mit deiner Hebamme oder Klinik, was für dich gilt (Hebammenverband Niedersachsen).

Kommst du in der Latenzphase in die Klinik, gehst du nach der Untersuchung vielleicht noch einmal nach Hause oder in der Nähe spazieren. Manche Geburtsorte bieten dafür einen eigenen Latenzphasenraum an (Hebammenverband Niedersachsen). Die Hebammen raten, dir in dieser Phase Zeit zu lassen und dich nicht unter Druck zu setzen. Erst wenn die Wehen regelmäßiger und kräftiger werden, lohnt es sich, sie mitzuschreiben.

Aktive Eröffnungsphase: Dauer bei Erstgebärenden und Mehrgebärenden

Auf die Latenzphase folgt die aktive Eröffnungsphase. Die Leitlinie definiert sie als Zeit von einer Muttermundöffnung von etwa 4 bis 6 Zentimetern bis zur vollständigen Öffnung. In dieser Phase treten regelmäßige, schmerzhafte Wehen auf. Der Muttermund öffnet sich zunehmend, bis er etwa 10 Zentimeter weit ist.

Ab einer Muttermundöffnung von mindestens 4 Zentimetern nennt die Leitlinie bei Erstgebärenden meist 8 bis 18 Stunden. Bei Mehrgebärenden sind es meist 5 bis 12 Stunden. Laut familienplanung.de dauert die gesamte Eröffnungsphase bei Erstgebärenden 8 bis 14 Stunden. Bei Frauen, die schon ein Kind geboren haben, ist sie oft schon nach etwa sechs Stunden vorbei.

Die Zahlen gehen auch deshalb auseinander, weil Studien und Leitlinien den Beginn der aktiven Phase unterschiedlich ansetzen. Die Angaben reichen laut AWMF-Leitlinie von 3 bis 7 Zentimetern Muttermundweite. Daraus ergeben sich unterschiedliche Zeitangaben.

Wenn es zwischendurch langsamer vorangeht, ist das laut familienplanung.de kein Grund zur Sorge. Die Wehen können vorübergehend nachlassen, etwa nach dem Blasensprung. Ein Eingreifen empfehlen Ärztinnen und Ärzte in der Regel erst in diesen Fällen:

  • Der Muttermund öffnet sich in vier Stunden um weniger als zwei Zentimeter.
  • Das Kind rutscht bei geöffnetem Muttermund nicht tiefer.
  • Die Wehen sind über längere Zeit zu schwach.

Geh in dieser Zeit etwa alle zwei Stunden zur Toilette, denn eine volle Blase kann die Wehen hemmen (familienplanung.de).

Geht es über längere Zeit nicht voran, kann die Fruchtblase geöffnet werden, falls sie noch nicht gesprungen ist. Danach werden die Wehen meist kräftiger. Reicht das nicht, ist ein Wehentropf mit Oxytocin möglich, und vorher wird dir eine PDA angeboten. Laut familienplanung.de erhöht keine der beiden Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt. Was in den einzelnen Abschnitten passiert, beschreibt der Artikel Geburtsphasen.

Austrittsphase und Nachgeburt: wie lange dauern sie?

Die Austrittsphase beginnt, wenn der Muttermund vollständig offen ist, und endet mit der Geburt deines Babys. Beim ersten Kind dauert sie laut familienplanung.de bis zu zwei Stunden. Bei weiteren Geburten verkürzt sie sich manchmal auf wenige Minuten oder einige kräftige Wehen. Mit einer PDA kann sie länger dauern (HealthLinkBC). Die Presswehen setzen erst kurz vor der Geburt ein, wenn du den Drang spürst, mit der Bauchmuskulatur mitzuschieben (gesund.bund.de).

Die Leitlinie spricht von einem Geburtsstillstand, wenn die aktive Austrittsphase bei Erstgebärenden länger als drei Stunden dauert. Bei Mehrgebärenden liegt die Grenze bei zwei Stunden. Gemeint ist die Zeit, in der du einen Pressdrang hast oder aktiv mitschiebst.

Nach der Geburt folgt die Nachgeburtsphase, in der die Plazenta geboren wird. Bekommst du dafür das Hormon Oxytocin, ist sie meist nach etwa 30 Minuten abgeschlossen (familienplanung.de). Ohne Medikament kann es bis zu einer Stunde dauern, bis sich die Plazenta löst (NHS). Die Leitlinie spricht von einer verlängerten Nachgeburtsphase, wenn die Plazenta mit Oxytocin nach 30 Minuten noch nicht geboren ist. Ohne Oxytocin liegt die Grenze bei 60 Minuten.

Wie lange dauert eine Geburt insgesamt?

Beim ersten Kind dauert eine Geburt meist 8 bis 18 Stunden (familienplanung.de). Beim zweiten oder weiteren Kind sind es 5 bis 12 Stunden. gesund.bund.de nennt für eine Spontangeburt etwa 4 bis 18 Stunden. Erstgebärende brauchen dabei in der Regel etwas länger als Frauen, die schon geboren haben.

Dass sich die Angaben überschneiden, liegt auch daran, dass sich oft kaum sagen lässt, wann eine Geburt genau beginnt. Vorwehen gehen häufig fließend in Geburtswehen über (familienplanung.de). Die Geburt kündigt sich oft schon Tage vorher an, etwa durch Vorwehen oder den Abgang eines blutigen Schleimpfropfs. Die folgende Übersicht fasst die Richtwerte zusammen:

PhaseMuttermundTypische Dauer
Latenzphaseöffnet sich bis auf 4 bis 6 cmeinige Stunden bis mehrere Tage
Aktive Eröffnungsphasevon etwa 4 bis 6 cm bis vollständig offenab 4 cm meist 8 bis 18 Stunden beim ersten Kind, 5 bis 12 Stunden bei weiteren
Austrittsphasevollständig offen bis zur Geburtbeim ersten Kind bis zu 2 Stunden, bei weiteren manchmal nur Minuten
Nachgeburtsphasenach der Geburt des Babysmit Oxytocin meist bis 30 Minuten, ohne bis zu 60 Minuten

Die Werte stammen aus dem Text oben: AWMF-Leitlinie, Hebammenverband Niedersachsen, familienplanung.de und NHS.

Für die Fahrt in die Klinik zählt das Muster der Wehen. Beim ersten Kind nennt familienplanung.de Wehen etwa alle fünf Minuten, je rund eine Minute lang, seit etwa einer Stunde. Dazu kannst du dich während einer Wehe nicht mehr ablenken. Ab dem zweiten Kind reichen regelmäßige Wehen alle zehn Minuten, bei weitem Weg planst du mehr Zeit ein. Mehr dazu steht unter Wann ins Krankenhaus. Was du mitnimmst, zeigt die Checkliste zur Kliniktasche.

Sofort anrufen, egal wie die Wehen gerade sind

Bei diesen Zeichen wartest du auf kein Wehenmuster und rufst sofort deine Hebamme oder den Kreißsaal an, auch nachts. Die Liste folgt dem britischen Gesundheitsdienst NHS und der US-Fachgesellschaft ACOG.

  • Die Fruchtblase ist gesprungen, auch wenn du noch keine Wehen hast.
  • Das Fruchtwasser ist verfärbt oder riecht unangenehm.
  • Du blutest aus der Scheide. Etwas Blut im Schleimpfropf kann dazugehören, bei mehr Blut rufst du an.
  • Dein Baby bewegt sich weniger als sonst.
  • Du hast dauerhafte, starke Schmerzen, die zwischen den Wehen nicht nachlassen.
  • Du hast Fieber, also 38 °C oder mehr.
  • Du bist noch keine 37 Wochen schwanger (vor 37+0) und glaubst, dass die Geburt beginnt.
  • Eine Wehe dauert länger als zwei Minuten, oder du hast sechs oder mehr Wehen in zehn Minuten.
  • Du bist unsicher oder machst dir Sorgen. Auch dann darfst du jederzeit anrufen.

Wähl den Notruf 112, wenn du einen starken Pressdrang hast und glaubst, dass dein Baby jetzt kommt.

Quellen dieser Liste: NHS: Signs that labour has begun (2023); NHS: Pregnancy symptoms you need to get help for; ACOG: How to tell when labor begins

Häufige Fragen

Kann eine Wehe zwei Minuten dauern?

Gegen Ende der Geburt dauern Wehen laut HealthLinkBC oft 60 bis 90 Sekunden. Laut dem britischen Gesundheitsdienst NHS rufst du sofort Hebamme oder Kreißsaal an, wenn eine Wehe länger als zwei Minuten dauert. Dasselbe gilt bei sechs oder mehr Wehen in zehn Minuten.

Können Eröffnungswehen mehrere Tage dauern?

Die frühe Eröffnungsphase, also die Latenzphase, kann sich über einige Stunden bis mehrere Tage ziehen, und die Wehen können zwischendurch nachlassen. Die aktive Eröffnungsphase ab etwa 4 bis 6 Zentimetern dauert dagegen meist Stunden. Die AWMF-Leitlinie nennt ab mindestens 4 Zentimetern bei Erstgebärenden meist 8 bis 18 Stunden. Bei Mehrgebärenden sind es meist 5 bis 12 Stunden.

Wie lange dauert eine zweite Geburt im Durchschnitt?

Ab dem zweiten Kind kann die Geburt schneller verlaufen. Laut familienplanung.de dauert eine Geburt beim zweiten oder weiteren Kind meist 5 bis 12 Stunden. Die Austrittsphase kann sich auf wenige Minuten verkürzen. Als Faustregel nennt die Seite ab dem zweiten Kind regelmäßige Wehen alle zehn Minuten als Zeitpunkt für die Klinik.

Wie lange dauert es von der ersten Wehe bis zur Geburt?

Das lässt sich nicht vorhersagen, auch weil sich der Beginn einer Geburt oft gar nicht genau festlegen lässt. Für eine Spontangeburt nennt gesund.bund.de etwa 4 bis 18 Stunden, familienplanung.de beim ersten Kind meist 8 bis 18 Stunden. Die Latenzphase allein kann schon einige Stunden bis mehrere Tage dauern.

Wie lange dauern Presswehen?

Presswehen setzen kurz vor der Geburt ein, wenn der Muttermund vollständig offen ist. Die ganze Austrittsphase dauert beim ersten Kind laut familienplanung.de bis zu zwei Stunden, bei weiteren Geburten manchmal nur wenige Minuten. Die AWMF-Leitlinie spricht von einem Geburtsstillstand, wenn die aktive Austrittsphase bei Erstgebärenden länger als drei Stunden dauert. Bei Mehrgebärenden liegt die Grenze bei zwei Stunden.

Quellen

  1. AWMF: S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin, Registernummer 015/083, Langfassung (Stand 22.12.2020, gültig bis 21.12.2025)
  2. familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit): Wie verläuft eine Geburt? (2024)
  3. familienplanung.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit): Wie fühlen sich Wehen an? (2023)
  4. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit), geprüft vom Deutschen Hebammenverband: Die Geburt: Was auf Gebärende zukommt (2025)
  5. Hebammenverband Niedersachsen e.V.: Der Geburtsbeginn. Umgang mit der Latenzphase (Faltblatt, 2022)
  6. NHS: The stages of labour and birth (2023)
  7. HealthLinkBC (BC Ministry of Health): Baby's Best Chance, Stages of Labour (2024)

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Im Zweifel ruf bitte immer deine Klinik oder Hebamme an, im Notfall die 112.

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